Vom Flüchtling zum Finanzminister Amerikas

Sein Vater ist ein Berliner Bankier, der 1929 pleite geht. Die Familie schlägt sich mit einfachsten Mitteln durch, flieht 1938 vor den Nazis erst nach Shanghai, dann nach in die USA. Dort wird Michael Blumenthal erst Professor, dann Manager und schließlich Finanzminister.

Michael Blumenthal, geboren 1926 in Oranienburg, wuchs in Berlin, in einer jüdischen Bankiersfamilie auf. Durch den Börsencrash 1929 ging die Bank bankrott. Daraufhin zog Michael mit seiner Familie zu seiner Großmutter, die ihnen ein kleines Zimmer zur Verfügung stellte. Seine Mutter betrieb später einen kleinen Laden für Damenmode.

Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung wurden die Zeiten für die Familie immer schwerer. Die Juden sahen sich Drohungen, Boykott und Demütigungen ausgesetzt. Viele flohen. Andere konnten sich nicht vorstellen, dass den Worten der Nazi-Politik auch Taten folgen würden. Sie blieben im Land.

So auch die Blumenthals. Während der Novemberpogrome 1938 nahmen die Nazis seiner Mutter den Laden weg. Sein Vater wurde im KZ Buchenwald inhaftiert, zwei Monate später wurde er wieder entlassen. Damit war der Familie die Gefahr endgültig klar geworden, sie wollten fliehen. Doch wohin? Mittlerweile war kein Land mehr bereit Flüchtlinge aufzunehmen, da die meisten noch mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen hatten.

Ausnahmen wurden nur dann gemacht, wenn man international prominent war, genug Geld oder persönliche Beziehungen hatte. „Die Welt bestand aus zwei verschiedenen Sorten von Ländern. Die, in denen wir nicht überleben konnten und die, die wir nicht betreten durften“, erinnert sich M. Blumenthal in einem Radiointerview des NDR.

Flucht nach Shanghai

Der letzte mögliche Zufluchtsort für die Familie war schließlich Shanghai. Mit 10 Mark in der Tasche, machten sie sich 1939 mit dem Zug auf den Weg. In Shanghai fühlten sie sich erst einmal wieder sicher, standen aber bald vor neuen Problemen.

Ein fremdes Land, kein Job, in Shanghai grassierten ansteckende Krankheiten. Anfang 1943 wurde die jüdische Bevölkerung Shanghais in Ghettos eingesperrt. Aber auch diese Schwierigkeiten meisterten die Blumenthals

Flucht nach Amerika

Zwei Jahre nach Kriegsende, zog die Familie in die USA. Schnell lebte Michael Blumenthal sich in ein, und mit 21 Jahren beginnt dann seine Erfolgsgeschichte: Studium der Volkwirtschaft, nur sechs Jahre später Professur an der Universität Princeton.

Er heiratet, bekommt drei Töchter und geht in die Wirtschaft. Mit 35 Jahren wird Blumenthal Unterstaatssekretär von JF Kennedy. Daraufhin ernennt ihn Jimmy Carter 1977 zum Finanzminister Amerikas. 20 Jahre später wird er als Gründungsdirektor des Jüdischen Museums in Berlin ernannt. Es gelingt ihm das Museum zum größten jüdischen Museum Europas auszubauen.

Im Jahre 2000 veröffentlichte er die Geschichte von sich und seiner Familie in dem Buch „Die unsichtbare Mauer” und im Jahre 2010 seine Biografie „In achtzig Jahren um die Welt. Mein Leben“.

Heute

„Was kann mir schon passieren?“ sagt Michael Blumenthal lässig in einem Radiointerview. Seine Strategie beschreibt er mit „immer weiter lernen.” Geld, Reichtum, Positionen oder Titel, was vielen Leuten so unglaublich wichtig sei, sei längst nicht so wichtig, als die Kraft eines Menschen, seine eigene Ethik, ob er unter großem Druck ein anständiger Mensch bleibe, fügt er hinzu.

Michael Blumenthal ist nicht nur ein äußerst intelligenter Mensch mit einer wahnsinnig starken Persönlichkeit, sondern ist trotz großen Erfolg auf dem Boden geblieben.

>Von Chiara Kaldenbach<

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