"Hitler ist ein Idiot": Als Stilikone gegen Nazideutschland

Während der Zeit des Nationalsozialismus zog sie in die USA, unterstütze amerikanischen Truppen und sang für Verwundete in Lazaretten: Marlene Dietrich wurde als Stilikone gefeiert und als Vaterlandsverräterin gehasst.

Hollywood Ikone, Schauspielerin, glamouröse Diva, Sängerin und Vaterlandsverräterin. Für Marlene Dietrich gab es viele Namen. Die Frau mit der rauchig - erotischen Stimme und den langen Beinen wurde zur deutschen Stilikone und Gegnerin der Nationalsozialisten.

Marlene Dietrich wurde eigentlich als Marie Magdalene 1901 in Berlin Schöneberg geboren. In den Goldenen Zwanziger begann sie ihre Schauspielkarriere in Berlin. 1930 gelang ihr mit dem Film: „Der blaue Engel“ der Aufstieg zur internationalen Künstlerin. Sie wurde der erste deutsche Filmstar in Hollywood.

Doch Marlene Dietrich steht nicht nur als erfolgreiche Schauspielerin prägend für die 30er Jahre, sondern sprengte auch das damalige Bild der Frau zu dieser Zeit: Während Kleider und Röcke die Konventionen dieser Zeit prägten, durchbrach sie diese in Hosenanzug, Frack und Zylinder.

"Wir verstanden doch von Politik nichts, aber natürlich waren wir Anti-Nazi."

Marlene Dietrich weigerte sich, in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, die NS Propaganda zu unterstützen. Stattdessen entschied Sie sich gegen ihr Heimatland zu kämpfen. Sie verstand nicht viel von Politik, wie sie selber behauptete. Jedoch konnte sie eins und eins zusammenzählen und erkannte früh die Gefahren des aufsteigenden Nationalsozialismus.

"Wir wussten doch von den Konzentrationslagern, von den vergasten Kindern und allem, das wussten wir ja alles. Und da ist es ja sehr leicht, sich zu entscheiden."

Marlene wohnte mehrere Jahre in Frankreich und den USA und nahm schließlich 1939 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. NS- Propagandaminister Joseph Goebbels, einer der engsten Vertrauten Adolf Hitlers, versuchte die junge Schauspielerin schon 1936 wieder zurück nach Deutschland zu bringen, um sie für deutsche Filme zu gewinnen.

Sie sollte als Aushängeschild der nationalsozialistischen Gesellschaft dargestellt werden. Marlene Dietrich lehnte die Angebote jedoch stets ab. Für sie gab es kein Zurück mehr. Doch während des Krieges in Deutschland wollte Marlene Dietrich ebenfalls an der Front vertreten sein. Sie sang für die Soldaten der Vereinigten Staaten und besuchte Verwundete in Lazaretten.

Über Rundfunk appellierte die Hollywood-Ikone an die deutschen Soldaten nicht weiter für Hitler zu kämpfen: "Jungs, opfert Euch nicht. Der Krieg ist doch Scheiße! Hitler ist ein Idiot."

1960 kehrte Marlene Dietrich für ihre Konzertreise nach Deutschland zurück. Sie wurde auf ihren Konzerten von dem Publikum als „Vaterlandsverräterin“ und „Judenfreund“ beschimpft und mit Eiern beworfen. Jedoch weigerte sie sich, „sich von einem blonden Nazi von der Bühne vertreiben zu lassen“.

Marlene Dietrich wurden von vielen Leuten in Deutschland gehasst und musste viel Hetze in der Presse über sich lesen. Jedoch erhielt sie auch hochrangige Anerkennung: Unter anderem unterstützte der spätere Bundeskanzler Willy Brandt die Schauspielerin.

Ein zwiegespaltenes Publikum erwartete Marlene Dietrich in Deutschland. Bis zu ihrem 75. Lebensjahr tourte die deutsche Künstlerin durch die ganze Welt. Am Ende ihrer Karriere zog sich Marlene immer weiter zurück. Sie starb 1992 in Paris und wurde in Berlin begraben. Marlene Dietrich lebte im ewigen Zwiespalt zwischen ihrem Heimatland und ihrer neuen Wahlheimat.

>Von Sofia von Schledorn<

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