Ein Flüchtling der anderen Art

Schauspieler. Komiker. Kabarettist. Sogar Sänger. Aber Flüchtling? Der "Didi" doch nicht! "Nur weil er 1958, noch vor dem Bau der Mauer, von Ost- nach Westberlin umzog, ist der Hallervorden doch kein Flüchtling!", so reagieren die Leute auf der Straße.

Aber wieso nicht? Wer entscheidet, wer ein echter Flüchtling ist und wer nicht? Muss man erst in einem Schlauchboot auf dem Mittelmeer um sein Leben bangen, oder ein paar hundert Kilometer durch den Balkan laufen, um als Flüchtling zu gelten?

Jeder Mensch, der aus einem bestimmten Grund sein Zuhause verlässt ist ein Migrant. Und jeder Mensch, der vor Krieg und Unterdrückung und Angst und Schrecken flieht ist ein Flüchtling.

Auch Dieter Hallervorden floh vor etwas, als er über die damals noch leicht zu überwindende Grenze ging: vor der Einschränkung der Meinungsfreiheit in einem Staat unter der Kontrolle der „Stasi“, der Staatssicherheit der DDR.

Woher kennt man "Didi" Hallervorden? Vielleicht kommt einem der Name bekannt vor. Sieht man aber sein Bild, dann erinnert man sich an seinen Erfolg auf der Kinoleinwand. Durch seine Rolle, eines schwer an Alzheimer erkrankten Mannes, hat er sich in viele verschiedene Herzen geschlichen.

Viele Facebook-User sind – nach eigenen Angaben – öfter in die Vorstellung gegangen, einfach um „noch ein Mal lachen und weinen zu können“. Viele verbinden den Film mit ihrem eigenen Privatleben, sie haben vielleicht auch jemanden in der Familie oder im Bekanntenkreis, der an Alzheimer erkrankt ist. Der Film habe ihnen eine andere Schichtweise ermöglicht, heißt es.

Der Wunsch aktzeptiert zu werden

Dieter Hallervorden ist ein engagierter Mann, der nie aufgehört hat zu träumen, der immer für seine Ziele gearbeitet hat und noch immer arbeitet. Das wünschen sich die Flüchtlinge von heute auch. Die Akzeptanz, dass sie überhaupt hier sind.

Hallervorden hatte es vielleicht leichter als die Menschen, die erst neu in Deutschland angekommen sind. Sie bemühen sich die deutsche Sprache zu erlernen, einem Beruf oder der Schulbildung nachzugehen. Sie sind nicht alle Schmarotzer, wie sie in den sozialen Medien dargestellt werden, das sind Männer und Frauen die sich für sich und ihre Familie ein neues Leben erarbeiten wollen und die Chance dafür von ihren Mitmenschen bekommen wollen.

Er setzt sich für Flüchtlinge ein

Als Dieter Jürgen Hallervorden 2015 bei der österreichischen Romyverleihung den Preis als bester Schauspieler entgegen nahm, zitierte er eine Parole der Nationalsozialisten aus dem zweiten Weltkrieg. Er habe extra provozieren wollen, doch mit seiner Erklärung seinen Standpunkt klar gemacht. Er betonte, dass er nicht zu rechtem Gedankengut aufrufen, sondern vor Rechtsextremismus warnen wolle.

Die momentan stattfindenden Entwicklungen, welche auf die Ankunft zahlreicher neuer Flüchtlinge nach Europa zurückzuführen sind, sind beunruhigend. Der Hass gegen die Flüchtlinge nimmt zu, die Menschen sind nicht mehr so aufgeschlossen, wie noch vor 20 oder 30 Jahren. Als selbst Geflohener eine persönliche Angelegenheit für "Didi".

Trotz seiner stolzen 81 Jahre arbeitet er immer noch. Ein bemerkenswerter Mann, der wegen seines politischen Engagements, seiner Liebe zum Film und seinem Humor berühmt wurde.

Er kam als Flüchtling und stieg auf zu einer nationalen Ikone der Komik auf. Sein Erfolg ist außergewöhnlich und schwer zu wiederholen, aber seine Einstellungen taugen als Vorbild für alle.

>Von Berrin Kutlutürk<

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