Über den Atlantik in das "Heilige Experiment"

Franz D. Pastorius kommt in einem zerstörten Land zur Welt. Seine Familie wird wegen ihrer Religion verfolgt. In der Flucht nach Amerika findet er sein Glück: Der Lutheraner wird einer der größten deutschen Siedler der neuen Welt.

Pastorius ist ein Kind des dreißigjährigen Krieges. 1648 beenden die Katholiken und Protestanten den Konflikt, aber das Land kommt nicht zur Ruhe. Weite Teile des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation liegen in Trümmern, Hungersnöte und die Inquisition erschweren den Leuten noch über ein Jahrhundert das Leben.

In dieses Chaos hinein wird im fränkischen Sommerhausen Pastorius 1651 als Sohn einer wohlhabenden Familie geboren. Die Familie ist Lutherisch, einer von vielen protestantischen Strömungen zu dieser Zeit. Auch nach dem Ende des Krieges werden werden sie verfolgt.

Obwohl sein Vater nachgibt und zum Katholizismus konvertiert, bleibt Pastorius bei seinem Glauben. Mehr noch: Er wendet sich den Quäkern zu, einer neuen christlichen Gruppe, die die Institution der Kirche ablehnt und den Glauben als Angelegenheit des Einzelnen versteht.. Pastorius studiert Recht in verschiedenen Städten Deutschlands und lässt sich in Frankfurt nieder, um dort als Anwalt zu arbeiten.

Die Gegend zwischen Rhein und Main kämpft zu dieser Zeit mit schweren Missernten. Beinahe die Hälfte der Bauern will wegziehen. Aber es hat niemand das Geld, um ihre Höfe abzukaufen. Die britische Königin Anne macht sich diese Misere zu Nutze. Sie wirbt in Deutschland für Überfahrten nach Amerika, um die neuen Kolonien zu bevölkern.

Deutsche Händler, die von Fahrten nach Großbritannien zurückkehren, versprechen Reichtum und Freiheit in Amerika. Gleichzeitig ziehen englische Werber mit Flugschriften durch die Pfalz und versuchen die Bauern zum Aufbruch zu bewegen.

Für freie Religion

Der Engländer William Penn gründet zu dieser Zeit in Nordamerika die Kolonie Pennsylvania. Der ehemalige Theologe und Jurist gehört der wachsenden Strömung der Quäker an. Wegen seines Glaubens wird er in England mehrmals eingesperrt. In Pennsylvania will er seinen Traum verwirklichen: In einem „Heiligen Experiment“ will er jedem Bewohner seines Landes die freie Ausübung von Religion garantieren. Seinem Ruf folgen tausende in die neue Welt.

Davon hört auch Pastorius. Ein Cousin Penns überredet ihn, mit nach Amerika zu kommen. Dort soll er Land kaufen und an andere Familien verpachten. Pastorius schiff sich ein und legt im August 1683 in Pennsylvania an. Einen Monat später gründet er die erste deutsche Siedlung in Amerika: „Germantown“. 13 deutsche Familien folgen ihm, allesamt Quäker aus Krefeld, die vor Verfolgung fliehen und in Amerika ein freies Leben führen wollen.

Pastorius wird der erste Bürgermeister des Ortes und verwaltet ihn für lange Zeit. Tausende folgen ihm in den nächsten Jahrzehnten. Sie fliehen vor religiöser Vertreibung, Hunger und Armut. Deutsche Siedlungen schießen in ganz Pennsylvania aus dem Boden. Noch heute haben rund ein Drittel der Bevölkerung deutsche Vorfahren. In manchen Gemeinschaften, wie den Amishen, wird immer noch ein deutscher Dialekt, das „Pennsylvania Deitsch“, gesprochen.

Pastorius schreibt in seiner Freizeit Gedichte und widmet sich leidenschaftlich der Gartenarbeit. Heute gilt Pastorius als einer der wichtigsten Poeten des Barocks in Amerika. Er verfasst Werke sowohl in Deutsch, als auch in Englisch.

Das erste Schulbuch in Pennsylvania geht ebenfalls auf ihn zurück. Die Siedlung Germantown ist heute ein Stadtteil von Philadelphia. Dem Begründer der deutschen Auswanderungsbewegung wurde dort ein Denkmal gesetzt: Die Büste zeigt Franz D. Pastorius.

>Von Elias Ettenkoffer<

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