Die Preußen sind (wieder mal) an allem schuld

Bettelarm verlässt der junge Friedrich im Jahre 1888 Deutschland, zieht in die USA und macht im Goldrausch sein Glück. 15 Jahre später kehrt Fred, so heißt er jetzt, als vermögender Mann in seine Heimat zurück.

Dort, in der ländlichen Pfalz, verliebt er sich in ein hübsches, mittelloses Mädchen und lässt sich nieder. Das heißt: er will. Doch bevor er sich so richtig setzen kann, sagen deutsche Bürokraten das Happy End einfach ab.

Es ist 1903. Am frühen Vorabend des 1. Weltkriegs sieht sich das Deutsche Reich bereits von Feinden eingekreist. Die militanten Preußen geben knarzend den Ton an. Es herrscht allgemeine Wehrpflicht. Junge Burschen, die sich dem Militär durch einen Abstecher in die USA entziehen, gelten als Kriegsdienstverweigerer.

Auch Fred. Zu Unrecht, findet er. Er war nicht geflohen, er wollte nur reich werden. Ein Wirtschaftsmigrant. Er korrespondiert, appelliert, kämpft - und verliert - am Ende sogar seine deutsche Staatsbürgerschaft. 1905 wird er ausgewiesen und kehrt in die USA zurück.

Fred, das ist Friedrich Trump, der Großvater des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump. Ein Migrantenenkel, der Mauern gegen seinesgleichen bauen will. Hätten sich die deutschen Bürokraten 1903 nicht so stur gestellt, was wäre der Welt...nein, was würde ihr noch erspart bleiben.

Die Trumps wären gemütliche Pfälzer geblieben. Opa hätte sonntags vor der Kirche wohlwollend den Hut gelupft, sein Sohn, Friedrich Junior, den väterlichen Weinberg übernommen und der 1946 geborene Enkel Donald hätte Manfred geheißen und das Familienerbe verzockt, wie sich das für die dritte Generation gehört.

Könnte man doch nur in der Zeit zurückreisen und einen dieser preußischen Bürokraten umstimmen. Ihn dazu bringen, ganz unbürokratisch einem jungen Burschen seine Abenteuerlust zu verzeihen. Wäre doch schön. Zu schön, um wahr zu sein. Denn es würde nichts nutzen.

In seinem 1996 erschienen Roman "Making History" untersucht der englische Autor Stephen Fry die Idee alternativer Zeitlinien. Insbesondere diese eine, in der Adolf Hitler nie geboren wurde. Seine Zeugung wird durch einen Eingriff in die Vergangenheit verhindert. Um die Pointe vorwegzunehmen: Dieser Eingriff macht die Geschichte nicht besser. Im Gegenteil.

Das Buch endet so unerfreulich wie fatalistisch mit einer Erkenntnis: Nicht die Figuren prägen ihre Zeit, sondern die Zeit bringt genau die hervor, die zu ihr passen.

Schämen sollte sie sich, unsere Zeit.

 

>Michael Hasenpusch<

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