Joseph Schaitberger: Ein Bergmann auf der Flucht

Im Jahre des Herrn 1686 lag zwischen Nürnberg und Salzburg mehr als nur 313 Kilometer Autobahn und eine Landesgrenze. Die Franken-Metropole war schon reformiert, Salzburg ein Zentrum der Gegenreformation. Dennoch trat der reformierte Bergmann Joseph Schaitberger dreimal die Reise an und hatte weit mehr zu fürchten als drängelnde Raser, Mega-Staus und Knöllchen.

Der Bergmann Joseph Schaitberger war ein echter Überzeugungstäter. Erst hielt er mit seinen Mitgläubigen geheime protestantische Gottesdienste ab. Dann stand er eine mehrmonatige Beugehaft durch. Mehrere Mönche bemühten sich 1683, ihn im Kerker wieder zum Katholiken machen. Vergeblich. Auch die folgende Zwangsarbeit beeindruckte ihn nicht.

Kurze Zeit später verwies der katholische Fürsterzbischof von Salzburg, Maximilian Gandolf Graf von Kuenberg, kurzerhand alle protestantischen Bergarbeiter des Landes. Nun hatte Schaitberger auch noch seine Heimat verloren und floh ins reformierte Nürnberg. Drei Mal reiste er nach Salzburg zurück, um seine Glaubensbrüder zu unterstützen.

Kinder müssen zurückgelassen werden

Zunächst folgten ihm über 70 Familien ihm ins Ausland, viele von ihnen fanden im Bergbau des sächsischen Erzgebirges eine neue Heimat. Doch der Preis für die Flucht war hoch: Auf Anordnung des Bischofs mussten alle Kinder unter 14 Jahren in Salzburg bleiben.

Auch Schaitberger musste ohne seine beiden Töchter fliehen. Doch der Kontakt riss nicht ab. In einem Schreiben aus dem Jahr 1701, bat er seine Töchter dem evangelischen Glauben treu zu bleiben.

In seiner neuen Heimat Nürnberg fand der ehemalige Bergmann eine Anstellung als Gepäckträger und Dienstbote. Seine Frau verkraftete den Verlust der Kinder jedoch schwer. Ein Jahr nach der Flucht starb sie.

Der Bergmann wird Schriftsteller

Neben den gefährlichen Reisen in die Heimat, beginnt der Protestantenführer im Jahre 1691 evangelische Schriften und Lieder zu verfassen. Die Schriften werden zum Sammelband „Evangelischer Sendbrief, geschrieben an die Landsleute in Salzburg“zusammengefasst, welcher trotz Zensuren und zahlreicher Kontrollen in großen Mengen in die Region Salzburg gelangt.

„Der Schaitberger“ stieg schnell zum beliebtesten Andachtsbuch auf. Seine tiefe Frömmigkeit bestimmte fortan die religiöse Haltung der Protestanten und machte den ehemaligen Bergmann zu ihrem geistigen Führer.

Die Schriften trugen wesentlich dazu bei, dass 1731 und 1732 über 26.000 Salzburger Evangelen sich nicht zum katholischen Glauben bekehren ließe, sondern nach Ostpreußen flüchteten. Bekannt wurden die Flüchtlinge als „Salzburger Exulanten“.

Viele von ihnen machten auf ihrem Weg nach Ostpreußen in Nürnberg Station um Joseph Schaitberger zu danken. Für sie war er aufgrund seiner Schriften eine Legende geworden, weshalb sie ihm ehrfürchtig begegneten. Dieser begrüßte seine Glaubensbrüder mit großer Freude.

Nur ein Jahr später, am 03. Oktober 1733, starb der Bergmann und Protestantenführer Joseph Schaitberger in Nürnberg. Auch nach seinem Tod blieb er aufgrund seiner Schriften und Lieder populär.

Eines seiner berühmtesten Werke ist das Gedicht „Ich bin ein armer Exulant“:

Ich bin ein armer Exulant,
also muss ich mich schreiben.
Man tut mich aus dem Vaterland
um Gottes Wort vertreiben.
Doch weiß ich wohl,
Herr Jesu mein,
es ist dir auch so gangen,
jetzt soll ich dein Nachfolger sein,
mach's Herr nach dein'm Verlangen!“

>Von Jonas Klinke<

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