Geduld ist eine Tugend

Geflüchteter, Flüchtling, Refuge – Mensch! Dies ist die Geschichte eines Mannes, Hamadei Eyad. Syrien ist seine Heimat, Falafel sind sein Geschäft und ein Lächeln seine Waffe. Wie Deutschland um einen Mann reicher wurde.

In dem kleinen Restaurant riecht es nach Essiggurken und Frittiertem. In der Auslage liegen bunte Zutaten, wie rosa Rettich, der mit roter Beete eingefärbt wird. Langsam dreht dreht sich ein Hähnchenspieß am Grill. Draußen stehen ein paar kleine, einfache Holztische mit Stühlen.

Wenn Hamadei Eyad, 39, seine Geschichte erzählt, ist er ganz ruhig – und gleichzeitig tieftraurig. Er sitzt an einem der kleinen Tische vor seinem Restaurant, dem Damaskus Falafel Haus, und blickt in die Ferne. So ist es, wenn man ihn auf seine Reise anspricht. Dann ändert sich schlagartig der Ausdruck auf seinem Gesicht. Der sonst so fröhliche Mann, mit dem breiten Grinsen und den vielen Lachfältchen, wirkt gezeichnet von dem, was er schon alles durchleben musste. Ein Blick in seine großen, hellen Augen verrät mehr, als es Worte vermögen.

Die Dolmetscherin Dunia Alnakkar übersetzt. Ursprünglich kommt Hamadei aus Aleppo. Dort hat er als studierter Bauingenieur gearbeitet und war zudem noch Leiter zweier Restaurants. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern im Alter von sieben und acht Jahren führte er ein glückliches Leben. „Ich wollte eigentlich nie aus Syrien raus. Ich liebe meine Heimat“, sagt er. Doch dann kam der 15. Oktober 2014. Der Tag, an dem er seine Heimat verlassen musste. „Du musst wissen“, erklärt Dolmetscherin Dunia, „das syrische Volk ist ein sehr geduldiges Volk. Doch irgendwann geht es einfach nicht mehr.“

Zwei Gründe zwangen Hamadei zur Flucht. Er hatte den Wehrdienst verweigert und wurde deshalb sogar verhaftet. Und er ist Kurde. Als solcher musste er sich und seine Familie nicht nur vor dem Islamischen Staat schützen,  sondern auch vor der dschihadistisch-salafistischen Al-Nusra-Front. 

Er macht eine Pause. „Ich möchte nicht weiter über meine Zeit in Syrien sprechen. Das ist einfach zu schmerzhaft.“ So erzählz er von seiner Flucht. Wie er bis zur türkischen Grenze lief um von dort aus nach Griechenland zu kommen. Vermeintlich in Griechenland angekommen, erfuhr er, dass er auf Zypern gelandet war. Die Schlepper hatten ihn reingelegt. Als er endlich in in Deutschland ankam, hatte er die über 12000 Euro bezahlt. Dort ging Eyad direkt zur Polizei um seinen Ausweis abzugeben. Er sagte den Beamten: „Ich will ehrlich sein, der Ausweis ist gefälscht. Aber ich komme aus Syrien und ich musste da raus.“ 

Er habe in Deutschland nur gute Erfahrungen gemacht, sagt Eyad. Für einige Zeit lebte er in einem Wohnheim, doch er fand schnell eine Anstellung in einem syrischen Restaurant in Frankfurt. Als er dann einen syrischen Arzt kennenlernte, half dieser ihm, eine eigene Wohnung zu finden. Auch die Behörden halfen ihm und brachten seine Frau und die Kinder nach Deutschland. Er habe versucht, die deutsche Sprache zu lernen, aber es sei ihm beinahe unmöglich gewesen, solange seine Familie noch nicht bei ihm war. In Gedanken war er immer bei ihnen. Sie hatten nichts mehr in Syrien. Es gab weder Essen, noch Trinken, noch Elektrizität. „Wie soll man sich da auf das Lernen einer neuen Sprache konzentrieren?“

Am Ende seiner Geschichte hellt sich Hamadei Eyads Gesicht wieder auf, wie als wäre er von einem Albtraum erwacht. Er bringt Speisen und Getränke an die Tische und scherzt mit den Gästen. Er sei dankbar, hier zu sein und überhaupt arbeiten zu dürfen. Sein Ehrgeiz und die Willenskraft, die er an den Tag legt, lassen einen schwindelig zurück. Das Sprichwort: „Geduld ist eine Tugend“, traf wohl selten so zu wie auf diesen Mann.

>Von Olivia Heider<

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.