Wie tolerant sind wir noch?

Wie tolerant sind wir noch?

Eine neue Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung untersuchte rechtsextremistisches Gedankengut in der deutschen Gesellschaft und zeichnet ein Stimmungsbild, das zu denken gibt.

Die Angst vor dem Islam

Laut der Erhebung neigen 28% der Bevölkerung zu “neurechten Tendenzen” und ganze 40% befürchten die Unterwanderung der Deutschen Kultur durch den Islam. Während Homophobie, Rassismus, Sexismus und Antisemitismus rückläufig sind, nehmen Vorurteile gegenüber Migranten und Moslems weiter zu. Inzwischen sehen sich sogar Langzeitarbeitslose (49%) mit weniger Ressentiments konfrontiert als Asylsuchende (50%).

Nennenswert ist auch das starke Ost-West Gefälle. Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit, die Abwertung von Sinti und Roma, asylsuchenden und wohnungslosen Menschen sind im Osten signifikant stärker ausgeprägt. Auch die Meinung, Neuankömmlinge generell müssten sich in einer Gesellschaft erst einmal hinten anstellen, ist im Osten stärker.

Auch Bildungsniveau und Einkommen haben großen Einfluss auf die Einstellung gegenüber Asylsuchenden. Laut der Studie sind vor allem Personen mit unterem und mittlerem Einkommen und geringerer bis mittlerer Bildung kritisch gegenüber Asylsuchenden eingestellt.

Eine Obergrenze für Flüchtlinge ist in weiten Teilen der Bevölkerung erwünscht. Nur 21% der Befragten lehnten sie ausdrücklich ab, während sich 38% strikt für eine Obergrenze aussprachen.
Asylkrise und Rechtsextremismus

Anders als oft in den Medien behauptet widerspricht die Studie der Behauptung, Rechtsextremismus würde wieder Gesellschaftsfähig. Laut ihr liegt die Zustimmung zu rechtsextremistischer Ideologie stabil bei 2,8 Prozent. Wesentlich höher liegen jedoch Zustimmungswerte zu Nationalchauvinismus (12,5%) und Ausländerfeindlichkeit (7,7%).

Neurechte Tendenzen

Erstmals beschäftigte sich die Mitte-Studie auch mit der Zustimmung bzw. Ablehnung neurechter Einstellung. Damit sind vor allem die Identitäts-Ideologie sowie ausgeprägte Anti-Establishment Haltungen und EU-Skepsis gemeint. Laut der Studie vertreten 28% der Bundesbürger eine solche Einstellung. Ebenso sehen 28% die freie Meinungsäußerung gefährdet. Der Aussage „In Deutschland darf man nichts schlechtes über Ausländer sagen, ohne gleich als Rassist beschimpft zu werden.” stimmten sogar knapp 55% der Befragten zu.

Die neue Rechte zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie sich stark von altrechtem Gedankengut wie Antisemitismus und Homophobie abgrenzt. Stattdessen wirbt sie mit einer stark nationalistisch-chauvinistischen Ausrichtung die die EU und Politik der offenen Grenzen ablehnt.

 

Über die FES-Mitte-Studie

Die FES-Mitte-Studie ist eine repräsentative Umfrage zu rechtsextremem Gedankengut die in einem Zweijahreszyklus von der Friedrich-Ebert-Stiftung durchgeführt wird. Die neueste Ausgabe erschien am 21. November 2016 und basiert auf einer telefonischen Befragung von 1896 repräsentativ ausgewählten deutschen Staatsbürgern. 53,5% der Befragten waren weiblich, der Rest männlich. Der Altersdurchschnitt lag bei 50,3 Jahren und damit deutlich höher als der Bundesdurchschnitt von etwa 44 Jahren. Durchgeführt wurde die Befragung von Duisburger Institut Sozialwissenschaftliche Umfragezentrum (SUZ).

>Von Tobias Walter<