Wohin, wieso eigentlich, und sind wir bald da?

Wohin, wieso eigentlich,
und sind wir bald da?

Türkische Nato-Soldaten beantragen Asyl in Deutschland, Banken verlassen mit ihren Mitarbeitern Großbritannien, und in den USA wollen massenhaft Bürger auswandern. Die Gemeinsamkeit dieser Menschen? Sie wollen raus aus dem Schlamassel und neu anfangen!

Als ich am Morgen nach Donald Trumps Wahlsieg meine Oma in Chicago anrief und fragte, was sie davon halte, sagte sie: „Es ist eine Katastrophe, ich weiß noch nicht was für eine, aber eine Katastrophe!“. An Flucht denkt sie nicht, dafür aber viele andere in ihrem Land. Noch in der Wahlnacht brach der Server der kanadischen Einwanderungsbehörde zusammen. „Emigrate“ war in den folgenden Tagen das meist gesuchte Wort in Google. Neben Kanada, ist  auch Europa und dort vor allem Deutschland eine Option.

Währenddessen beschäftigt in Deutschland stationierte türkische Soldaten die Angst vor den Umwälzungen in ihrem Heimatland. Zwei haben Ende November 2016 politisches Asyl beantragt. . In der Türkei sind seit dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 tausende Offiziere und Soldaten verhaftet worden. Wer noch frei ist, will es natürlich auch bleiben. Wenn nötig eben woanders.

Was den EU-Beitritt betrifft, hat sich das für die Türkei dank Erdogan nun auch erledigt. Seit am 21. Juli 2016 dort der Notstand ausgerufen wurde, wurden in Griechenland reihenweise Immobilien an Türken verkauft. Quasi als potentielles Exil falls Erdogan es soweit treibt, dass sie fliehen müssen. Diese Option ist natürlich an die entsprechenden finanziellen Mittel gebunden.

Flucht und Völkerbewegungen gibt es nicht erst seit gestern. Religiöse Verfolgung ist so alt wie Religion an sich, die Suche nach Arbeit, Glück und einem besseren Leben so alt wie die Menschheit selbst.

„American Dream“? Da war doch was. Richtig. Jeder, der ins gelobte Land kommt, kann sein Glück machen. Amerika der „Melting Pot“. Alles schon vergessen? Denn die Familie dessen, der am lautesten gegen Immigranten und Flüchtlinge poltert, Donald Trump, ist selbst eingewandert. Die Trumps sind Arbeitsmigranten aus Deutschland und hießen einmal Drumpf. Sie wurden in ihrer Heimat nicht verfolgt. Sie suchten in den USA , wie so viele andere, ihr Glück. „The pursiut of happiness“, so steht es seit 1776 in der Verfassung der USA. Trumps dritte Frau, das Model Melania, ist übrigens aus dem heutigen Slowenien migriert und hat selbst lange „schwarz, also ohne Visum, in den USA gearbeitet.

Der Begriff Flüchtlingskrise macht den Anschein, wir hätten ein Problem. Wenn AFD und PEGIDA weiter an Zuspruch gewinnen, haben wir das wahrscheinlich auch bald.  Es ist in der Tat eine Krise, aber nicht dort, wohin die Menschen fliehen, sondern dort, woher sie kommen.

Anlässe zur Flucht und Migration gibt es massenhaft und es steht uns nicht zu, jemandem seine Beweggründe abzusprechen. Es fehlt nicht an plausiblen Gründen, es fehlt an Empathie. Es muss nicht Krieg und Armut sein. Auch Meinungsfreiheit und Menschenrechte sind triftige Gründe, seine Heimat zu verlassen. Ebenso politische Verhältnisse in denen man leben möchte, oder vielmehr die in denen man nicht leben möchte.

Von A nach B wechseln, weil dort die Chancen besser stehen. Das war bei uns nach dem Mauerfall auch nichts Anderes. Und doch scheint nicht jeder dafür Verständnis zu haben. Manch einer spricht von Angst.  Vor den Fliehenden oder davor selbst fliehen zu müssen? Beides ist Hysterie. Der stellvertretende Vorsitzende des Haushaltsausschusses Bartholomäus Kalb  sagte kürzlich im Bundestag „Uns geht’s so gut wie nie zuvor“ und sprach über Sozialausgaben, Arbeitslosenquote und Wirtschaftsbilanzen. Wohin möchte denn ein Deutscher fliehen, wo stehen die Chancen besser? Wohnungstausch mit dem Syrer? Wohl kaum.

Wer seine soziale Umgebung genauer unter die Lupe nimmt wird feststellen, dass mehr Menschen einen Migrationshintergrund haben als man glaubt. Und das Die Geschichte der Menschheit eine einzige Bewegung ist. Wer zuhause eine schwierige Zukunft vor sich sieht, der hat zwei Möglichkeiten. Entweder sitzt er es aus, mit dem Risiko das sich nichts ändert, oder er macht sich auf den Weg an einen hoffnungsvolleren Ort.

Alles eine Sache der Einstellung. Ganz nach dem Motto „Wo ein Wille da ein Weg“.

Fluchtgründe sind also vor allem eines, subjektive Gründe. Und solange der Mensch noch Hoffnung hat, wird es die auch weiterhin geben. Unser Anliegen sollte sein, nicht selbst zum Fluchtgrund zu werden.

>Von Lisa Brockschmidt<